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Dumme Fragen

27. Juli 1994, Münchner Innenstadt. An diesem lauwarmen Sommerabend stolpere ich mit meiner damaligen Freundin aus dem McDonalds an der Münchner Freiheit. Am Eck steht ein beiger Rettungswagen mit leuchtorangen Streifen, auf den ich mit ebenso leuchtenden Augen zusteuerte. Das Retter-Team tat gerade nichts Außergewöhnliches – in München ist es üblich, dass die unterschiedlichen Rettungsmittel strategisch günstig positioniert werden, um die bestmögliche Gebietsabdeckung zu erreichen. Es ereignete sich folgender Dialog:

Ich: »Hallo.«
Retter 1: »Hallo.«
Retter 2 grunzt und sieht in eine andere Richtung.
Ich: »Schöner Rettungswagen, nicht?« Debiles Grinsen.
Retter 2: »Naja, gibt Schöneres.«
Ich: »Ich habe mich auch angemeldet.«
Retter 1 schaut wie ein Fragezeichen. Retter 2 sieht angestrengt zum Seitenfenster hinaus. Ein Grinsen kann er sich dennoch nicht verkneifen.
Ich: »Na… zur Ausbildung! Ich werde auch Rettungsassistent!« Das Leuchten wird heller.
Retter 2 hat ein Heft aufgeschlagen, hinter welchem er sein Gesicht vergräbt. Möglicherweise muss er sich ein Lachen verkneifen.
Ich: »Und? Ist anstrengend, oder?«
Beide Retter blicken sich an und winken ab.
Ich: »Also – ich muss dann weiter! Bis dann mal!«

Ich sah nicht mehr, mit welchem Gesichtsausdruck die beiden mir hinterher sahen und welche Grimassen sie dabei schnitten. Heute, im Jahr 2011 AD, bin ich der Retter, der derartigen Dialogen hilflos ausgesetzt ist und gute Miene zum bösen Spiel machen muss. Das Beantworten dämlicher Fragen zum Thema »Rettungsdienst« gehört zu meinem Berufsalltag. Ab und an begegnet man tatsächlich noch diesen leuchtenden Augen, die mit Enthusiasmus in die (rettungsdienstliche) Zukunft blicken.

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