Unterlassene Hilfeleistung

Komplexität
10. November 2016
2016 -> 2017
31. Dezember 2016

Unterlassene Hilfeleistung

Stellen Sie sich einen Tag im Herbst vor. Sie brauchen Kohle und eilen zur Bank. Um zum Automaten zu gelangen, müssen Sie durch einen winzigen Vorraum der Bank. Sie passieren die Schiebetür, die Geldkarte in der Pfote. Vor Ihnen liegt jemand und versperrt Ihnen den Weg zum Geldautomaten. Besoffen, schießt es Ihnen als erstes durch den Kopf. Dieser Gedanke verschwindet sehr schnell in den Untiefen Ihrer Synapsen. Warum? Weil er bequem ist. Der Mann ist älter, gut gekleidet und nicht mehr ansprechbar.

 Er liegt auf der Seite. Speichel läuft ihm aus dem Mund. Trunkenheit können Sie nur vermuten. Sie haben es eilig, an Ihren Zaster zu kommen. Einkäufe müssen erledigt werden. Nur noch eine Stunde bis zum Abendessen. Oder zur Affäre. Oder zu sonst was. Wenig Zeit auf jeden Fall. Zu wenig, um sich für einen Moment zu dem alten Mann herunter zu beugen und zu checken, dass er gar nicht nach Alkohol riecht. Sie steigen zum zweiten Mal über den Mann und verlassen die Bank, Ihre paar Kröten in der Tasche. Der Alte wird schon nichts haben, denken Sie. Ungefähr eine halbe Stunde später fällt Ihnen ein, dass Sie noch etwas vergessen haben. Sie kommen erneut an dieser Bank vorbei. Ein Rettungswagen und ein Notarzt stehen vor der Tür. Die Helfer laufen durcheinander und scheinen es wahnsinnig eilig zu haben. Durch die Schiebetür sehen Sie, dass der Mann wiederbelebt wird …

Eine kaputte Szene aus einem Film oder aus einem Drehbuch? Ein Traum mit Schweißbad-Garantie und Herzkopfen nach dem Aufwachen? Ein neuer Thiller von Sebastian Fitzek? Nein. Pure Realität. Eine traurige Szene, die das charakterliche Spiegelbild unserer Gesellschaft offenbart.

Hier hört meine Logik auf. Ich kann eine derartige Szene weder erklären, noch nachvollziehen. Helfen kann doch jeder, oder? Die meisten Bürger haben einen Führerschein – und somit einen Kurs für Sofortmaßnahmen. Jeder ist in der Lage, drei Ziffern auf einer verfluchten Tastatur zu tippen und zu sagen, was passiert ist. Jeder kann einen Rettungswagen rufen.
Dachte ich. Denn vier egoistische Subjekte ohne jede Form eines Gewissens, die in Essen Geld abheben wollten, sahen das anders. Denen ein am Boden liegender Mann in ihrem Tagesablauf gar nicht in den Kram passte …

Wie kann man menschlich nur so absurd versagen? Wie kann man danach noch ruhig schlafen? Was zur Hölle ist nicht richtig mit manchen Menschen in Essen? Ich habe keine Ahnung. Aber bitte bitte bitte: seien Sie nicht so. Wenn jemand Hilfe braucht, helfen Sie. Jeder kann die 112 wählen. Mindestens.

Den Artikel dazu gibts HIER auf ntv.de.

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